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Im Interview: Godo Röben von Balpro über die Rolle alternativer Proteine für die Ernährung der Zukunft

In diesem Jahr sind alternative Proteine erstmals Teil der IFFA – Technology for Meat and Alternative Proteins vom 14. bis 19. Mai in Frankfurt am Main. Um die IFFA über ihren Fokus auf die Fleischindustrie hinaus zu einem echten Impulsgeber für die effiziente industrielle Produktion von Fleischalternativen zu entwickeln, hat die Messe Frankfurt neue Partnerschaften geschlossen. Einer dieser Partner ist der Bundesverband für Alternative Proteine BALPro, dessen Vorstand Godo Röben einen kurzen Überblick gibt.

Zusätzlich zu ihren langjährigen Partnern, dem VDMA Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen und dem Deutschen Fleischer-Verband, hat die IFFA beim Thema alternative Proteine neue Kooperationspartner gewonnen. Neben dem Good Food Institute Europe und ProVeg ist das der Bundesverband für Alternative Proteinquellen (BALPro). Im Interview spricht Godo Röben, Vorstand bei BALPro, über die aktuelle Situation im Markt.

Godo Röben. Vorstand bei BALPro / Quelle: BALPro
Godo Röben. Vorstand bei BALPro / Quelle: BALPro

Herr Röben, der Bundesverband für Alternative Proteine wurde 2019 gegründet. Wie ist die Resonanz in der Zwischenzeit und welche Ziele verfolgt Ihr Verband?

Godo Röben: „Das Ziel des Bundesverbandes für Alternative Proteinquellen ist es, verschiedene Akteure, die sich der Förderung alternativer Proteinquellen verschrieben haben, zusammenzubringen und einen aktiven Austausch unter ihnen zu ermöglichen. Hierbei soll Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbrauchern frei von Ideologisierung die Chance gegeben werden, gemeinsam an einer nachhaltigen Agrar- und Ernährungswende zu arbeiten. Unter unseren über 100 BALPro-Mitgliedern finden sich deshalb – neben veganen Startups und Organisationen – auch Produzenten von insektenbasierter Nahrung sowie Vertreter der konventionellen Fleischindustrie, die stetig daran arbeiten, Alternativprodukte in ihr Sortiment zu integrieren. Zudem steigen unsere Mitgliedszahlen nicht nur kontinuierlich, sondern wir erhalten auch ständig neue Kooperationsanfragen von namhaften Partnern und sind daher mit der Resonanz mehr als zufrieden.“ 

Vegetarische oder vegane Fleischalternativen sind im Trend. Wie wird sich der Markt weltweit Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?

Godo Röben: „Etwa 480 Millionen Euro werden laut Marktprognosen des „Statista Consumer Market Outlook” voraussichtlich 2022 allein in Deutschland für Fleischersatzprodukte ausgegeben werden. 2021 waren es rund 414 Millionen, was eine Verdoppelung im Vergleich zu 2019 darstellt. Und über die nächsten fünf bis zehn Jahre ist weiterhin mit Wachstumsraten von 15, 20 oder sogar 25 Prozent zu rechnen. Wir sind unter Berücksichtigung dieser kontinuierlichen Entwicklungen sehr optimistisch, dass der alternative Proteinsektor ein Zukunftssektor ist.“

Der Verbraucher wünscht sich ein Produkt das fleischähnlich ist in Geschmack, Biss und Mundgefühl. Welche Rolle werden hier neue Technologien wie 3-D-Druck spielen?

Godo Röben: „Unternehmen wie das israelische Startup Redefine Meat oder das spanische Startup NovaMeat bringen derzeit den Markt der pflanzlichen Fleischalternativen, die aus dem 3D-Drucker stammen, voran. Hierbei kommen die neuen Produkte in Geschmack und Textur echtem Fleisch sehr nahe, belasten die Umwelt weniger stark und sind frei von Cholesterin. Wir sind bezüglich ihrer zukünftigen Rolle daher optimistisch.“

Fleischersatz aus Pflanzen ist heute in jedem Supermarkt im Regal. Wie schätzen Sie die Entwicklung von Insektenproteinen oder kultiviertem Fleisch ein? Wann erwarten Sie hier den Durchbruch?

Godo Röben: „Neben pflanzlichen Alternativen haben auch Insektenproteine das Potenzial, einen Beitrag zur Proteinversorgung der Zukunft zu leisten. Unsere BALPro-Arbeitsgruppe „Speiseinsekten Deutschland“ setzt sich für die politische Gleichstellung insektenbasierter Lebensmittel mit anderen hochwertigen Produkten ein, um die Lebensmittelinnovation in Europa mit einer organisierten und zielgerichteten Stimme voranzubringen. Ein erster Schritt in die Richtung der Gleichstellung wurde am 3. Mai 2021 getan, als Mehlwürmer als erstes Insekt überhaupt in der Europäischen Union die Zulassung als neuartiges Lebensmittel erhalten haben.“

Alternative Proteine und ihre Verarbeitungstechnologien sind schon seit ein paar Jahren Thema auf der IFFA. Offiziell aber erst seit 2021 Teil der Marke und als Produktgruppe verankert. Welche Impulse erwarten Sie sich von der IFFA für die industrielle Fertigung von Fleischalternativen?

Godo Röben: „Als internationaler B2B-Treffpunkt für die Fleischwirtschaft und für die Alternative Proteinindustrie hat die IFFA das Potenzial, vielfältige, internationale Innovatoren des alternativen Proteinsektors zusammenzubringen und unter ihnen einen produktiven Austausch zu fördern. Insbesondere weil für tierische Produkte, kultiviertes Fleisch und Fleischalternativen weitgehend dieselben Verarbeitungstechnologien in Bezug auf Produktion und Verpackung eingesetzt werden, erhoffen wir uns hiervon spannende Impulse für die Industrie und freuen uns sehr auf die Teilnahme.“